der geschichtenerzähler

schon mehrere nächte lang gelang es ihr nicht schlaf zu finden. sie sehnte sich nach jemanden, der ihr eine geschichte erzählte. sie musste noch nichtmal selbst ausgedacht sein... aber erzählt wie selbst erlebt... warum konnte das niemand mehr? warum machte das niemand mehr für sie? zu erwachsen? in das zimmer eines mädchen von über 12 jahren geht man nach 18uhr nicht mehr hinein? ach so... sie verstand.

20 jahre sind keine 12 mehr... da gibt es anscheinend keine geschichten mehr, zumindest nicht für sie. nur noch routine und verantwortung und alltag und... und... und...ja, was eigentlich?

und so dachte sie nächtelang über ihr leben nach und ihre gedanken und warum ihr niemand geschichten erzählte...

so wurde es oft erst der frühe morgen, an dem sie wirklich schlafen konnte...

eines nachts dachte sie daran, sich einfach selbst eine geschichte zu erzählen... von küken und koffern und regenmachern... sie brauchte ja gar nichts weiter...

ein küken lief eines tages mit einem koffer seelenschwer durch die wüste. da der koffer so groß und das kükchen so klein war, konnte es ihn nur auf den kleinen noch gar nicht vorhanden flügelchen über seinem winzigen köpfchen tragen, da er sonst nur ein meilenschleifstein gewesen wäre und eine spur im sand hinterlassen hätte, die es des kükchen sorgen ein leichtes gewesen wären selbiges zu finden.

als hätte es nicht schon genügend probleme, die es im großen backsteinkoffer mit sich umhertrug. unter der schweren hitze der ernsten sonnenstrahlen suchte es verzweifelt nach einem regenmacher. einem regenmacher, der die sorgen und die unterträgliche hitze gleichsam davonspülen konnte.

das kükchen lief und lief... tage und nächte und nächte und tage und abende und morgende... folgte täuschungen, folgte dünen und sandstürmen... aber nirgends ein regenmacher in sicht.

da fing das kükchen ganz hilflos, klein und allein bitterlich an zu weinen und schleuderte voll wut den koffer so weit es ging von sich. (man kann sich denken, wie weit kükchen wohl koffer schleudern können...) der koffer sprang auf und hinaus trat ein kleines schwarzhaariges männchen.

"wer bist du?" fragte das kükchen.

"Der regenmacher." sagte der kleine mann.

"aber was machst du in meinem sorgenkoffer?" fragte das kükchen weiter.

"deine sorgen wegspülen, damit du wieder lächeln kannst. kleines dummes ding. suchst in der ferne nach deinem glück, schaust aber nie in deine sorgenkiste, um sie kleiner werden zu lassen..." antwortete der regenmacher lächelnd.

das kükchen vergaß alles um sich herum und wollte nie wieder unglücklich sein...

 

nach diesen gedanken schlief das mädchen ein und träumte von ihrem geschichtenerzähler. 

 

27.8.06 00:05

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