gestern

Gestern habe ich dich besucht, immer und immer wieder. Ich habe an dein Holztürchen geklopft, es hat geknarrt, aber nicht nachgegeben. Und du hast auch nicht aufgemacht. Darum habe ich mich auf eine Wiese gelegt um auf dich zu warten. Ich habe Blumen für dich gepflückt, obwohl ich nicht weiß, ob du welche magst. Ich habe den Wolken beim Tanzen zu gesehen, obwohl ich weiß, dass sie nicht tanzen können. Ich habe den Vögeln gelauscht, obwohl es ganz still war. Dann bin ich wieder zu dir gegangen, aber du wolltest mir nicht aufmachen. Ich habe einen Schatten hinter dem Fenster gesehen und ein Stück deiner weißen Haut, aber du wolltest mir nicht aufmachen. Darum bin ich auf eine Wiese gegangen und habe mir die Unterarme aufgeschnitten. Alle Gänseblümchen hatten rote Flecken. Wie schön sie waren und wie schön ich mich fand. Darum bin ich schnell wieder zu dir gelaufen, habe mir meiner Knöchelchen an der schweren, harten Holztür wundgeschlagen, aber du hast mir nicht aufgemacht. Da war auch kein Schatten mehr. Da bin ich gegangen, und habe mich zu den Gänseblümchen gelegt.

28.10.06 21:10, kommentieren

manchmal

All diese Zwischenfälle, die passiert sind, passieren immer nur mir - mit dir, und all diese Unfälle, die passiert sind passieren immer nur dir - mit mir. Jetzt wirf mich doch endlich in das Zentrum des Super - GAUs. Jetzt saug mich doch endlich auf. Ich werde mitkommen, ganz gewiss, bis ans Ende gehen, mit Sicherheit, auch dort verharren, ich verspreche es dir, gebietest du es nur mir. Aber denke nicht, dass ich nicht einfach gehen kann. Ich lebe nicht in einer Abhängigkeit, ich lebe in meiner Seele. Es gibt keine Seele? Und was ist dann die ausgehauchte Hülle dort hinten am Erdboden? Die habe ich gestern dem Jungen mit dem strohblonden Haar abgenommen. Er wollte sie nicht mehr und ich auch nicht, also habe ich sie in der Luft zerissen und ihn fortgeschickt. Er kommt trotzdem manchmal wieder.

28.10.06 20:03, kommentieren

the man who wasn't there

Wenn ich morgens in der U-Bahn sitze, umzingelt von schwitzenden Männern und Frauen, dann Frage ich mich: 'Bin ich auf dem richtigen Weg? Oder werde ich einfach nur von der derzeitigen Weltenordnung in dieses heillose geordnete System geworfen?', und dann, dann muss ich aufstehen, meinen Sitz einer ältlichen Dame anbieten, die sich anders nicht mehr auf den Beinen halten kann. Sie setzt sich, wirft noch ein müdes Lächeln auf mich bevor ich aussteigen muss und mir meinen Weg durch mein vorbestimmtes Leben bahne. Ach nein, STOP! ich kann individuell sein! -'Ja, natürlich, so individuell wie Millionen andere.' Und dann stehe ich vor der letzten Ampelkreuzung, die mich noch von meinem Ziel trennt und jedes Mal, wirklich jedes Mal stellt sich mir ein hochgewachsener, junger Mann mit stahlblauen Augen, dünnen, sehnigen Armen und einem Lächeln in den Weg, welches so plötzlich vor mir losbricht wie ein Wolkenbruch, obwohl ich es jedes Mal erraten könnte und erwarten könnte. Er reißt mich aus meiner Alltäglichkeit, obwohl schon selbst mit dem Alltag verschmolzen, aber weil es nicht geht, dass ich mit großem Optimismus in den Tag schreite, stoße ich ihn einfach weg und dann drehe ich mich um und er wird zu einem von den andere grauüberzogenen Nebelkrähen und war nie so besonders - wunderbar.

28.10.06 19:42, kommentieren

urlaub

ich besuche dich hinter deinen müden augenfenstern, um dein seelenkostüm neu zu stricken.

aber warum nähe ich nicht einfach MIR ein neues? naja... ist doch klar... es ist doch immer einfacher die anderen zu kontrollieren als sich selbst.

aber deine augenfenstern sind blind, dein hautkleid zerissen, ich falle wieder heraus aus deinem körper, ich bin nicht mehr erwünscht. ich muss gehen, sollte jetzt gehen, sollte deine seele allein lassen, sie auf eine einsame insel schicken und selbst urlaub von mir nehmen.

in der unendlichkeit.

25.9.06 09:53, kommentieren

wer...

tut schon das richtige, selbst wenn er die möglichkeit dazu hat? wer riskiert schon sien leben, selbst wenn er wissen kann, dass alles gut ausgehen wird...?

wer geht schon schneeschuhe kaufen, wenn er sich tennisschläger unter die schuhe schnallen kann? und wer kauft die katze im sack, wenn er doch gerade eben erst seinen kleinen zu weihnachten bekommenen hund ausgesetzt hat?

wer schreibt schon eine kurzgeschichte für einen kurzgeschichtenwettbewerb mit mindestens 11.000 zeichen, bei welchem es um 500euro geht?

ja, sicher, alles wissen: er ist jung, einigermaßen hübsch (das hei0t, er bekommt immer mal eine ab), recht intelligent und kann ganz gut schreiben (zumindest lachen die leute immer über seine sachen...er heißt das für gut)... aber 11.000 zeichen? wie soll man 11.000 zeichen bewerkstelligen, wenn schon das vorgegebene thema nur 7 hat? wie?

am besten, er geht erstmal aufs klo...da kommen ja angeblich die besten gedanken her...auch klothesen genannt.

er kommt wieder... leere blase, saubere hände (ganz wichtig)...aber sein ideenkopf bblieb so leer wie seine blase... mist...

hm...vielleicht sollte er einfach sein vernrohr unter dem bett hervorholen und ein bisschen voyeur spielen. das ist es doch, was die leute sehen wollen, dachte er sich. das schlafzimmer anderer leute. oder auch die toilette... oder (ein ganz heißer tipp) die besenkammer... leider kann man in letztere nicht hereinschauen, da sie meistens keine fenster zu haben pflegt.

gedacht, getan... er ging zu seinem bett, schob die geklauten pornohefte zur seite (ein bisschen klischee muss nunmal sein) und zog das schon ganz graue fernrohr hervor. mit einem lippenzittern blies er das grau vom kalten metall und musste schrecklich husten. anschließend bekam er auch noch einen schluckauf, der er sich barfuß auf den kalten badezimmer fließen während seines toilettengangs verkühlt hatte.

hmmm...so geht das nicht, dachte er.

vollkommen unprofessionell...ich kann doch niemanden mit einen schluckauf beobachten...das wäre ja wie ein exhibitionist auf dem friedhof.

darum beschloss er, voltaire zu lesen, dann zu schlafen, und morgen vielleicht nochmal ein paar überlegungen anzustellen...

runterholen könnte er sich ja auch mal wieder einen...(na, bei dem stapel pornos...und ein bisschen klischee muss doch nun wirklich sein.) 

1 Kommentar 31.8.06 00:17, kommentieren

lichterspiegelbilder

lichte spiegelbilder sind lichterspiegelbilder; in lichten momenten sich regen und bewegen. drauflos tanzen, drauflos reden, sich freuen über einen menschen, den man nie gesehn, nie gehört, nie gerochen, nie geschmeckt, nie berührt...

 

gestern (eigentlich war es gar nicht gestern, aber in fiktiven kleinen erzählfetzen kann man es furchtbar kunterbunt treiben und darum auch mal vor 6 monaten gestern sein lassen) ging ich (hahaaaa, jetzt weiß niemand, ob ich auch wirklich ich bin/ist...toll) zu einer neuen vorlesung in den alten hörsaal, an die immergleiche uni und fing schonmal an mich innerlich zu verschließen, denn wer will denn in eine vorlesung, morgens um 10uhr, in der er mit höchster wahrscheinlichkeit von 120 null kennt.

jemanden kennenlernen... MORGENS UM 10???

ich erklomm die ersten drei stufen, schlurfte bis zum ende des gangs und schloss die immerstickige luft in meine arme. meine augen ließ ich müde in der gegend umher tanzen, in der hoffnung, doch noch ein bekanntes gesicht zu entdecken. ach ja...unauffälliges verhalten, wenn man ohnehin schon recht auffällig ist erschwert die morgendliche motorik ungemein. aber ich kam im hörsaal an ohne zu stolpern. ich sah sie... und ich kannte sie und freute mich.

aber dann sah ich SIE... ich kannte sie nur vom sehen. seminar  letztes semester...donnerstag 12 bis 14uhr. lg 4 d01.

ja...ich würde sie kennenlernen, jetzt heute, und es sollte gut werden.

 

das waren meine gedanken...

 

und jetzt ist sie meine frau... 

 

2 Kommentare 28.8.06 22:56, kommentieren

der geschichtenerzähler

schon mehrere nächte lang gelang es ihr nicht schlaf zu finden. sie sehnte sich nach jemanden, der ihr eine geschichte erzählte. sie musste noch nichtmal selbst ausgedacht sein... aber erzählt wie selbst erlebt... warum konnte das niemand mehr? warum machte das niemand mehr für sie? zu erwachsen? in das zimmer eines mädchen von über 12 jahren geht man nach 18uhr nicht mehr hinein? ach so... sie verstand.

20 jahre sind keine 12 mehr... da gibt es anscheinend keine geschichten mehr, zumindest nicht für sie. nur noch routine und verantwortung und alltag und... und... und...ja, was eigentlich?

und so dachte sie nächtelang über ihr leben nach und ihre gedanken und warum ihr niemand geschichten erzählte...

so wurde es oft erst der frühe morgen, an dem sie wirklich schlafen konnte...

eines nachts dachte sie daran, sich einfach selbst eine geschichte zu erzählen... von küken und koffern und regenmachern... sie brauchte ja gar nichts weiter...

ein küken lief eines tages mit einem koffer seelenschwer durch die wüste. da der koffer so groß und das kükchen so klein war, konnte es ihn nur auf den kleinen noch gar nicht vorhanden flügelchen über seinem winzigen köpfchen tragen, da er sonst nur ein meilenschleifstein gewesen wäre und eine spur im sand hinterlassen hätte, die es des kükchen sorgen ein leichtes gewesen wären selbiges zu finden.

als hätte es nicht schon genügend probleme, die es im großen backsteinkoffer mit sich umhertrug. unter der schweren hitze der ernsten sonnenstrahlen suchte es verzweifelt nach einem regenmacher. einem regenmacher, der die sorgen und die unterträgliche hitze gleichsam davonspülen konnte.

das kükchen lief und lief... tage und nächte und nächte und tage und abende und morgende... folgte täuschungen, folgte dünen und sandstürmen... aber nirgends ein regenmacher in sicht.

da fing das kükchen ganz hilflos, klein und allein bitterlich an zu weinen und schleuderte voll wut den koffer so weit es ging von sich. (man kann sich denken, wie weit kükchen wohl koffer schleudern können...) der koffer sprang auf und hinaus trat ein kleines schwarzhaariges männchen.

"wer bist du?" fragte das kükchen.

"Der regenmacher." sagte der kleine mann.

"aber was machst du in meinem sorgenkoffer?" fragte das kükchen weiter.

"deine sorgen wegspülen, damit du wieder lächeln kannst. kleines dummes ding. suchst in der ferne nach deinem glück, schaust aber nie in deine sorgenkiste, um sie kleiner werden zu lassen..." antwortete der regenmacher lächelnd.

das kükchen vergaß alles um sich herum und wollte nie wieder unglücklich sein...

 

nach diesen gedanken schlief das mädchen ein und träumte von ihrem geschichtenerzähler. 

 

27.8.06 00:05, kommentieren